Im Naturpark Altmühltal, bei Dietfurt, liegt hoch auf einem bewaldeten Jurafelsen das Schloss Wildenstein, ein prächtiger Renaissance-Bau, den die Herren von Wildenstein Mitte des 16. Jahrhunderts an die Stelle einer wehrhaften Burganlage gebaut haben, die ihren Vorfahren zum Schutz und zur Ausübung der Herrschaft gedient hatte.
1973 kaufte ein Freundeskreis aus München das schon fast zur Ruine verkommene Schloss, teilte es in Eigentumswohnungen auf renovierte es in den folgenden Jahren mustergültig. Der benachbarte Burgstadel ist der Bauteil innerhalb des Ensembles, an dem über die Jahrhunderte die wenigsten Veränderungen vorgenommen wurden. Allerdings war auch immer nur das Allernötigste repariert worden, so dass das gewaltige Gebäude – 35 Meter lang, 18 Meter breit und 16 Meter hoch (die Traufhöhe eines fünfstöckigen Wohnhauses) – zusammenzustürzen drohte.
Um die Gefahr abzuwenden, wurde ein Verein gegründet, der mit finanzieller und tätiger Eigenleistung die Grundlage schuf für eine Sicherung des Gebäudes mit Denkmalschutz-, Regierungs- und kommunalen Mitteln.

    

Im Jahr 2006 wurde der gesamte Dachstuhl Balken für Balken und Sparren für Sparren überarbeitet und – wo erforderlich – denkmalgerecht, d. h. unter Erhaltung intakter historischer Bestandteile, und handwerksgerecht ergänzt. Die Gewölbe, die an mehreren Stellen bereits durchgebrochen waren oder unmittelbar vor dem Einsturz standen, wurden fachmännisch aufgemauert, ebenso die Giebelmauern. Die mächtigen Vierkantsteinsäulen im Erdgeschoss und im Untergeschoss wurden wieder fachgerecht aufgemauert; die Deckenbalken liegen jetzt nicht mehr auf den Gewölben auf, sondern wieder frei 10–15 Zentimeter darüber. Die Kamine wurden neu aufgemauert bzw. ergänzt und alle Löcher in den Gewölben geschlossen, ebenso alle Risse im Mauerwerk. 2007 folge die Trockenlegung der Fundamente in ca. 6 Meter Tiefe.
Betritt man den Burgstadel heute, so erkennt man unter den rauhen Äußerlichkeiten einer Sanierungsbaustelle den Charme einer wohlproportionierten, großzügigen Architektur. Folgt man der schönen neuen Holztreppe ins Obergeschoss, so ist man schlechthin überwältigt: Was für ein herrlicher Dachboden, was für eine bezaubernde Atmosphäre unter urigem und dabei fein verarbeiteten (und liebevoll hergerichtetem) Gebälk.

    

Man begreift nicht nur, wie viel Mühe aufgewandt wurde, um den Bau so weit zu sichern, sondern man erkennt sofort, was für ein Schatz der Burgstadel ist, und alle Phantasien setzen sich in Gang, wie man dieses Gebäude nutzen möchte: Ein Tanzboden? Eine lange Festtafel? Ein intimer Weihnachtsmarkt mit Kunstgewerbe-Ständen in den Fächern zwischen den Sparren?
Gewiss: die Frage der Heizung muss gelöst werden, ein von Fall zu Fall beigestellter Toilettenwagen der Feuerwehr ist nur die zweitbeste Lösung, Fenster müssten eingesetzt, Fußbodenpflaster gelegt werden, nicht zu reden von Verschönerungsmaßnahmen wie Verputzen und Weißeln.
Aber die Nutzung und die Erschließung dazu müssen Zug um Zug gehen: Da die bisherigen Arbeiten die Fördermittel inzwischen aufgezehrt haben, liegt die Zukunft des Bauwerks jetzt in den Händen des Fördervereins. In kleinen Schritten und mit der Hilfe von Sponsoren soll der Burgstadel nutzbar gemacht werden als eine Begegnungsstätte für die Bürger von Dietfurt und Umgebung, als Publikumsmagnet für einen größeren Einzugsbereich, als großartiger Rahmen für Sommerkonzerte…
Jeder, den der Charme des Gebäudes bezaubert, kann sich im Förderverein engagieren: Man kann Mitglied werden, Geld spenden und Geld sammeln, selbst mit anpacken und Überzeugungsarbeit leisten. Als Handwerker kann man Fachkompetenz und -leistung spenden.
Vor allem aber wird ein Modell auf Gegenseitigkeit angestrebt, und ein Beispiel dafür hat es schon gegeben: 2009 feierte ein junges Paar seine Hochzeit im Obergeschoss des Burgstadels und entrichtete dafür einen Beitrag zur Fertigstellung des Fußbodens.
Der Verein kann steuerlich abzugsfähige Spendenquittungen ausstellen, und auf Wunsch dürfen sich Sponsoren auf einer Tafel im Eingangsbereich mit ihrem Firmennamen oder -logo eintragen.
(Einen ausführlichen Bericht von dieser langen und anstrengenden Sicherungs-Phase hat Felix Häberle, Vorsitzender des Fördervereins Burgstadel Wildenstein e. V., verfasst; der Artikel ist in Nr. 15 der Zeitschrift "Das Jurahaus" erschienen und steht zum Download bereit. Ebenfalls zum Download bereit steht der aktuelle Jahresbericht des Fördervereins.)